Naturschutzmaßnahmen am Stoissengraben und an der Stosswand – ein Sprungbrett für den Apollo-Falter
Was ist nötig, damit ein Schmetterling gedeiht?
An der Stosswand bei Saalfelden haben sich Freiwillige, Alpenvereinsmitglieder und die Europäische Wildnisgesellschaft zusammengetan, um einen weiteren Trittstein für den bedrohten Apollofalter zu sichern: Am 13. September 2025 fand unter der fachkundigen Anleitung des Schmetterlingsspezialisten Otto Feldner eine gemeinsame Aktion der European Wilderness Society, des Alpenvereins und engagierter Freiwilliger an der Stosswand bei Saalfelden statt. Das Ziel: den Lebensraum des stark bedrohten Apollofalters(Parnassius apollo) zu sichern und zu verbessern.
Relevanz für den Naturschutz
Der Apollofalter gilt als eine der ikonischsten Arten des alpinen Naturschutzes in Europa. Sein Überleben hängt von bestimmten Wirtspflanzen (vor allem Fetthennenarten – Sedum spp. – sowie Krätze, Disteln und Wilde Möhre) und von offenen, sonnigen, felsigen Hängen ab. Aufgrund der zunehmenden Verbuschung und des Lebensraumverlusts sind viele Populationen isoliert. Hier setzt das LIFE Apollo2020-Projekt an: Es werden so genannte Trittsteine geschaffen oder erhalten, um die Vernetzung von Teilpopulationen zu verbessern. Diese Habitatflecken ermöglichen es den Schmetterlingen, sich auszubreiten, den genetischen Austausch zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit der Gesamtpopulation zu stärken.
Die Stosswand hat sich nun zu einem solchen Trittsteinbiotop entwickelt und schließt sich anderen wichtigen Standorten wie Leisach (Tirol), dem Rheindamm (Vorarlberg) sowie Virgen und Hinterbichl (Osttirol) an. Zusammen bilden diese Trittsteine ein wachsendes Netzwerk von Lebensraumelementen, die die Zukunft des Parnassius Apollo in Österreich sichern.
Habitat Management
Die Arbeit konzentrierte sich auf:
- Rodung von Sträuchern und Ausdünnung des Hangs zur Wiederherstellung offener, lichtreicher Strukturen.
- Bei der Entbuschung werden gezielt Sträucher und junge Bäume entfernt, die andernfalls die für die Apollo-Raupen wichtigen Fetthenne-Flächen beschatten würden.
- Offene, felsige Oberflächen sind exponiert, schaffen ein wärmeres Mikroklima und bieten Platz für Wirtspflanzen wie Fetthenne, Skabiosen und Disteln.
- So bleibt ein typischer Apollo-Lebensraum erhalten: trocken, sonnig und reich an Wirtspflanzen für die Larven.
- Pflanzung und Befreiung von Wirtspflanzen wie Fetthenne, Krätze und Disteln.
- Pflege der vorhandenen Vegetation, um die Dominanz konkurrierender Arten zu reduzieren.
Es wurden verschiedene Werkzeuge aus dem Apollo2020-Projekt verwendet (Handsägen, Baumscheren, Kettensägen, Pflanzwerkzeuge), ergänzt durch die von EWS bereitgestellte Schutzkleidung.
Zusammenarbeit mit dem Alpenverein und Freiwilligen
Der Alpenverein hatte die Teilnehmer öffentlich zu dieser Aktion eingeladen. Aufgrund der unsicheren Wetterlage war die Teilnehmerzahl diesmal etwas geringer – was sich als Vorteil herausstellte: In einer konzentrierten Gruppe konnte besonders effizient gearbeitet werden, und die Teilnehmer profitierten von einem engeren Austausch mit den Experten. Momente wie diese zeigen, wie wertvoll die Unterstützung durch Freiwillige ist: Ihre Bereitschaft, Zeit und Energie einzubringen, ist für den Erfolg solcher Erhaltungsmaßnahmen unerlässlich. Die Zusammenarbeit wird nicht nur geschätzt, sondern dient auch als Gelegenheit, Wissen zu teilen, die Verbindung zur Natur zu vertiefen und gemeinsam etwas Nachhaltiges zu schaffen.
Kontinuität im Projekt
Die Habitat-Aktion an der Stosswand ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, die von der European Wilderness Society im Rahmen des LIFE Apollo2020-Projekts bereits durchgeführt wurden. Dank dieser Bemühungen befinden sich mehrere bewirtschaftete Flächen derzeit in einem guten „Apollo-Zustand“ – mit geeigneten Strukturen, reichlich Wirtspflanzen und stabilen Bedingungen für die Schmetterlinge. Die Arbeit an der Stosswand ergänzt diese Bemühungen und stärkt das österreichweite Netzwerk von Trittsteinen, das sich vom Rheintal bis nach Osttirol erstreckt.
Ausblick
Diese Aktion hat einen weiteren entscheidenden Beitrag zur Erhaltung des Apollo-Lebensraums geleistet.
Die Stosswand fungiert nun als wichtiger Trittstein innerhalb des LIFE Apollo2020-Projekts – eine Lebensraumverbindung, die die Ausbreitung der Schmetterlinge erleichtert, die Populationen miteinander verbindet und so das langfristige Überleben dieser Art in den Alpen sichert. Mit Spannung und Optimismus sehen wir nun der nächsten Apollo-Saison entgegen, wenn wir sehen können, wie die Maßnahmen wirken und welche positiven Entwicklungen im Lebensraum bereits zu beobachten sind.